Spielmannszug Baden-Baden
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Historie

Über die Ursprünge des Spielmannswesens

 

Das Spielmannswesen unserer Tage in seinen mannigfaltigen Formen beruht auf zahlreichen Verknüpfungen mit der kulturellen Entwicklung in der lnstrumentalmusik des Orients und des Abendlandes, die vor vielen Jahrhunderten begann. Die ältesten Überlieferungen reichen in das frühe Mittelalter zurück. Dort zählten die Spielleute, die seit der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts als solche bezeichnet wurden, noch zu den sozial am niedrigsten stehenden Musikanten der weltlichen Musik. Entgegen der sonst üblichen festgefügten Standesordnungen war der Stand der Spielleute jedoch uneinheitlich. Er reichte vom rechtlosen "Fahrenden" und Spaßmacher über den Gefährten des Dichtersängers bis zum rechtlich gesicherten und sesshaften Spielmann. Seit dem 14. Jahrhundert ging ein Teil der Spielleute in den Beruf der Stadtpfeifer über, als deren wohl bekanntester Vertreter uns der "Rattenfänger von Hameln" durch die Sage überliefert wurde

 

Aus den Werken mittelalterlicher Dichter erhalten wir auch Angaben über die benutzten Instrumente. Ulrich von Lichtenstein (um 1200 - 1276) belegt, dass die kleine Schnabelflöte (holre, holefloyte) und die kleine einfellige Trommel (sumber) bereits zusammengehören. "Darnach ein horlblâser sluoc einen sumber meisterlich genouc." Ein anderes Zitat aus dem "Willehalm" des Wolfram von Eschenbach lässt die später übliche Kombination von Trommeln und Pfeifen (tamburen, floytieren) einerseits und Trompeten und Pauken (businen, puken) zu dieser Zeit bereits möglich erscheinen: "vil pûken, vil tambûren, busînen and floytieren", heißt es in einem seiner Lieder.

 

Im 12. Jahrhundert tritt in Deutschland auch erstmals die nach links geblasene Querflöte oder "deutsche Flöte" in Erscheinung, der im 13. Jahrhundert die scharftönende Schalmei oder Zungenpfeife nachfolgte. Im 17. Jahrhundert wird dann wieder vorwiegend die Querpfeife, jetzt aber "Schweitzerpfeiff" genannt, gespielt.

 

Durch die Kreuzzüge fand im Laufe der Zeit die zweifellige größere Trommel des Orients ihren Einzug in Deutschland und löste mehr und mehr die bisher übliche, kleinere einfellige Trommel ab.

 

Die Grundform des ältesten Zweiges des echten Spielmannswesens der vergangenen Jahrhunderte entwickelte sich auf zwei Wegen, die beide ihre große Bedeutung haben. Die eine Form bildeten die freien und ungebundenen Spielleute, die schon im frühen Mittelalter im Brauchtum des Volkes ihre Heimat hatten. Hier besteht eindeutig eine legitime Verbindung zum Spielmannswesen heutiger Zeit. Der zweite Weg geht über die Feldmusik der frühen Jahrhunderte. Für das gesamte Mittelalter müssen die Grenzen zwischen der Feld- und Kriegsmusik als der im eigentlichen Sinne "militärischen" Musik und der Hof- und Volksmusik als fließend angenommen werden. Nicht selten haben an den Kreuzzügen auch "fahrende Gesellen" teilgenommen, nichtmilitärische Musiker also, die sich auch auf Burgen und an Höfen aufhielten. Alte Landsknechtlieder erzählen von der Existenz kleinerer Pfeifer-, Blechbläser- und Trommlergruppen, deren Mitglieder möglicherweise der Truppe überhaupt nicht angehörten.

 

Auch in den Melodien findet sich dieser zweigleisige Entwicklungsverlauf. Die "fahrenden Spielleute" begleiteten mit ihren Instrumenten die Sänger, sorgten bei Gauklern, Possenreißern und Schauspielern für den musikalischen Hintergrund und spielten zum Tanz auf. Dadurch entwickelten sich viele Kompositionen, die aber nur mündlich weitergegeben wurden und heute weitgehend verschollen sind.

 

Die Aufgabe der Feldmusik bestand jedoch in erster Linie in der akustischen Übermittlung fest vereinbarter militärischer Signale. So konnten militärische Befehle über größere Strecken mit Hilfe der Instrumente weitergegeben werden. Nach und nach kamen kleinere Melodien hinzu, die zum Beispiel in den Lagern oder auch beim Marschieren gespielt wurden, bis sich daraus etwa im 16. Jahrhundert die eigentliche Marschmusik entwickelte. Im Zeitalter der Landsknechtsheere empfand man das Bedürfnis, die Musik zur Fortbewegung der Truppe in festere Formen zu fassen, und fügte dem Marschrhythmus der Trommel Melodien der Querpfeifen hinzu.

 

Wenn heute Spielmanns- und Fanfarenzüge bei Festen und Umzügen gleichrangig auftreten, ist nichts mehr von der früheren "Unterprivilegierung" der Spielleute festzustellen. Aber tatsächlich bestand bereits in den Ritterheeren des Mittelalters innerhalb der Feldmusiken eine strikte Trennung dieser beiden Gruppen. Während Trompeten und Pauken der Reiterei zugeordnet waren, wurde das Fußvolk von Trommeln und Pfeifen begleitet, ein Brauch, der in den Armeen vieler Länder bis in die heutige Zeit fortgeführt wurde.

 

Ein "versöhnliches" Miteinander aller militärischen Musikgruppen bildete das Zeremoniell des "Großen Zapfenstreiches". Schon 1581 als "Zapfenschlag" erwähnt, befahl er ursprünglich den Soldaten Heimkehr und Ruhe im Lager. In seiner ursprünglichen Form umfasste er den Zapfenstreich der Spielleute, den Zapfenstreich der Musikkorps der Fußtruppen und die Retraite der Kavallerie. Nach russischem Vorbild hatte Friedrich Wilhelm III. 1813 das Gebet als musikalischen Abschluss angeordnet. Nach dem 1. Weltkrieg wurde es üblich, den Großen Zapfenstreich, der Elemente der Signal-, Marsch- und Konzertblasmusik enthält, mit der Nationalhymne ausklingen zu lassen.

 

Wenn sich auch die Spielmannszüge unserer Tage, zumindest was das musikalische Repertoire und ihre Stellung innerhalb der gesamten "Musiklandschaft" betrifft, sehr stark von ihren musikalischen "Urahnen" unterscheiden, so ist doch eine zunehmende historische Rückbesinnung auf die Ausrüstung der Pfeifer der Landsknechtszeit festzustellen. Neben der kleineren Spielmannsflöte wurde in vielen Gruppen die mittel- und große Flöte eingeführt und somit der Flötenchor zu einem vollen Satz erweitert. Damit erfolgte auch eine Hinwendung zu größeren instrumentalen wie auch musikalischen Möglichkeiten.

 

Wenn auch ein gewisser Trend zur Bearbeitung moderner Melodien für das Spielmann-Repertoire hier und da zu erkennen ist, - was unter Umständen auch die Spielfreude gerade der jüngeren Spielleute motiviert - so gibt es andererseits auch erfolgreiche Bemühungen, historische Stücke zu sammeln und in neuen Bearbeitungen den Spielmannszügen wieder zugänglich zu machen. Hier möchte ich besonders auf die Arbeiten von MD Friedrich Deisenroth hinweisen, dessen Sammlung historischer Feld- und Armeemusik, einschließlich alter Pfeiferstücke in originalen bzw. dem Originalklang angenäherten Besetzungsgruppen des 17. und 18. Jahrhunderts, eine wertvolle Bereicherung des musikalischen Repertoires eines jeden Spielmannszuges darstellt. So finden sich dort die nachweislich ältesten Pfeifermärsche, wie z.B. der Marsch der Landsknechte aus dem Jahre 1462, der Wormser Pfeifer Marsch (15. Jahrhundert), Feldmarsch der Geusen (1582) und viele andere Märsche aus der Zeit der Landsknechte.

 

Es ist sicherlich eine reizvolle und lohnende Aufgabe für unsere Spielmannszüge, besonders für jene, die in historischen Uniformen auftreten, dieses wiederentdeckte Liedgut aufzunehmen und zu pflegen. Die Rückbesinnung auf die eigentlichen Ursprünge des Spielmannswesens kann für die Gruppen unserer Zeit zu einer wertvollen Bereicherung und zu einer harmonischen Verbindung von Tradition und Gegenwart führen, was letztlich den Spielmannszügen wie auch ihren Zuhörern und Freunden zugute kommen wird.


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